
Wie lebt der Biber, was tut er...?
Zum Beginn des 20. Jahrhunderts stand der Biber weltweit kurz vor
seiner Ausrottung. Vor allem sein Fell, Fleisch und Bibergeil (ein
öliges Sekret) waren bei den Menschen sehr begehrt. |
Biber sind nach dem Südamerikanischen Wasserschwein die zweitgrößten Nagetiere der Erde. So erreicht der Europäische Biber eine Körperlänge von bis zu 1,3 m, wovon auf den abgeflachten, beschuppten Schwanz, die sogenannte Biberkelle, bis zu 30 Zentimeter entfallen können. Das Gewicht beträgt bei ausgewachsenen Tieren um die 30 Kilogramm. Neben der Körpergröße stellt der flache Schwanz das beste Unterscheidungsmerkmal zu dem ähnlich aussehenden Sumpfbiber und Bisam dar. |
Biber leben in Einehe. Das Revier einer Biberfamilie, die aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren besteht, umfasst je nach der Qualität des Biotops 1 bis 3 Kilometer Fließgewässerstrecke. Die Reviergrenzen werden mit dem sogenannten Bibergeil, einem öligen Sekret aus einer Drüse im Afterbereich, markiert und gegen Eindringlinge verteidigt. |
Nach erfolgreicher Paarungszeit von Januar bis März bringt das Weibchen nach einer Tragzeit von 105 Tagen zumeist zwei bis drei behaarte Junge zur Welt, die von Geburt an sehen können. Die jungen Biber werden bis zu zwei Monate lang von ihrer Mutter gesäugt und erlangen in der Regel nach drei Jahren die Geschlechtsreife. In dieser Zeit werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben und können dann über 100 Kilometer weit wandern. Nun suchen sie sich einen Partner und gründen selbst ein Revier. Das Durchschnittsalter eines Bibers liegt bei 10 Jahren und kann in Ausnahmefällen gar bis zu 25 Jahren betragen. |
Als reine Pflanzenfresser müssen sich Biber je nach Jahreszeit dem
unterschiedlichen Nahrungsangebot anpassen: Im Sommerhalbjahr besteht
die Kost überwiegend aus Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen, wobei in
Gebieten mit landwirtschaftlicher Nutzung zusätzlich Mais, Rüben und
Getreide gefressen werden. |
Der Biber ist ein semiaquatisches Säugetier, d.h. sein Lebensraum sind fließende (Bäche, Flüsse etc.) und stehende Gewässer (z.B. Seen) sowie deren Uferbereiche. Sein Körperbau passte sich dem Leben im und am Wasser ausgezeichnet an. So dient im Wasser die Kelle als Steuer und Antriebsruder, zwischen den Zehen an den Hinterbeinen sind Schwimmhäute und durch eine sehr effiziente Ausnutzung des eingeatmeten Sauerstoffes kann er bis zu 20 Minuten lang tauchen. |
Die fleißigen Nagetiere sind aber vor allem bekannt für ihr großen Dämme, die sie zum Teil weit über 100 Meter lang bauen. Diese sollen bezwecken, dass der Wasserstand auf ein Niveau angehoben wird, um die Eingänge der Bauten übers ganze Jahr unter Wasser zu halten. Somit sind Biber besser geschützt vor Feinden und kalter Winterluft. Sie bauen jedoch nur dort Dämme, wo der Wasserstand nicht kontinuierlich hoch genug ist. |


Um den Biber vor seiner vollständigen Ausrottung zu
bewahren, begannen Anfang des 20. Jahrhunderts umfangreiche
Schutzmaßnahmen und großangelegte Umsiedlungs- und
Wiedereinbürgerungsaktionen in Skandinavien, den USA, Kanada und der
damaligen Sowjetunion.
Biber gelten als wahre Baumeister in der
Natur. In einem Revier befinden sich in der Regel zwei bis vier Wohnbaue
unterschiedlichster Form: vom einfachen Erdbau über den Mittel- und
Hochbau (oben mit Holz gearbeitet) bis hin zur klassischen Biberburg,
die nicht selten vollständig von Wasser umgeben ist. Daneben werden
Fluchtröhren, Freßröhren und sogar Spielröhren angelegt. Biber sind in
puncto Wärmedämmung so clever, dass sie ihre Bauten mit Holzdecke im
Winter sogar mit Lehm isolieren, den sie im Sommer dann wieder abtragen.